Annette von Woellwarth: Malerinnen in der Kunstgeschichte

Annette von Woellwarth: Malerinnnen in der Kunstgeschichte

Suzanne Valadon: ein Essay

Henri de Toulouse Lautrec, Portrait Suzanne Valadon

Henri de Toulouse Lautrec, Portrait Suzanne Valadon

Sie wurde 1865 in Bessine-sur-Gartempe/ Hautvienne geboren und starb 1938 in Paris.
Sie malte vorwiegend Akte und Selbstbildnisse, die heute als Vorreiterzeugnisse der französischen Moderne gelten. Dabei entwickelte sie ihren eigenen Stil und ihre Werke waren keiner Kunstrichtung ihrer Zeit zuzuordnen. Als Kind einer Wäscherin und Putzfrau und einem unbekannten Vater kam sie aus recht ärmlichen Verhältnissen, und musste sich schon als Kind und Jugendliche durchschlagen mit allen möglichen Arbeiten, zum Beispiel als Fabrikarbeiterin, Serviererin, Gemüseverkäuferin und Pferdemagd in einem Mietstall, später dann als Trapezartistin beim Zirkus. Im damaligen Paris bot sich für ein schönes junges Mädchen noch eine andere Verdienstmöglichkeit an, nämlich das Modell-Stehen bei berühmten Malern wie in ihrem Fall Puvis de Chavannes, Auguste Renoir und Henri de Toulouse-Lautrec. Letzerer vor allem förderte ihre eigene künstlerische Begabung, die er in Zeichnungen von ihr entdeckte. Obwohl ihr die Arbeit als Modell Spaß machte, wollte sie, die nur eine geringe Bildung hatte, ihren eigenen Weg als Malerin gehen, und in vielen Briefen ist es überliefert, dass Edgar Degas, der selbst ein renommierter Maler seiner Zeit war, und mit dem sie eine tiefe Freundschaft verband sie immer wieder dazu ermutigte, weiterzumachen in ihrem eigenen Mal- und Zeichenstudium.

In ihren Bildern fällt immer wieder der Eigensinn und Charakter der weiblichen Figuren auf, der sich auf ihrem Gesicht wiederspiegelt. Auch in ihren Akten ging es ihr nicht um die Darstellung eines idealisierten Körpers sondern um die ursprüngliche weibliche Kraft ihrer Protagonistinnen, die sie als individuelle Persönlichkeiten wahrnahm und nicht nur als schöne Dekoration für einen passenden Hintergrund.

Suzanne Valadon, La chambre bleue

Suzanne Valadon, La chambre bleue

Besonders deutlich können wir das in ihrem Bild „La chambre bleue“ von 1923 erkennen. Die liegende Frau mit Zigarette im Mund wendet den Blick nicht einem begehrenden Betrachter zu. Sie schaut etwas gleichgültig nach vorne und beabsichtigt keinesfalls irgendwie verführerisch zu wirken.

Verglichen mit diesem Bild wirkt das Gemälde von Henri Matisse „Odaliske mit der roten Hose“ ganz anders auf den Betrachter. Die Figur auf dem Bild ist sinnlich objekthaft eingebettet in einen dekorativen Hintergrund und ist lieb im Gegensatz zu der eigenwilligen unabhängigen Frau in Valadons Bild.

Suzanne Valadon hatte es als Autodidaktin, die einzig motiviert durch die Kunst des Modellstehens war, und dadurch vieles lernte für ihre eigenen Aktdarstellungen, am Anfang sehr schwer sich durchzusetzen. Sie schaffte es allerdings als Neunundzwanzigjährige im Salon de Nationale austellen zu dürfen, was für eine Frau in dieser Zeit doppelt so schwierig war wie für einen Mann.

Sie war später auch sehr erfolgreich zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Maler André Utter und ihrem Sohn Maurice Utrillo, ebenfalls Maler. Sie alle dienten sich immer gegenseitig als Modell.

Bemerkenswert an Suzanne Valadons Karriere ist für mich, dass sie sich vom zeichnenden Modell, das für andere Künstler als Objekt ihrer Bilder diente, hochgearbeitet hat zur eigenständigen Künstlerin mit großem Freiheitsdrang, und dass sie dabei selbst vom Leben gezeichnet wurde ist auf vielen Zeichnungen und Gemälden, von ihr selbst gefertigt, oder zum Beispiel auf Zeichnungen von Toulouse-Lautrec, deutlich zu sehen.
Deswegen,

Hut ab vor Dir, my Suzanne Valadon,

Deine Annette von Woellwarth im Jahr 2011

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